
Lädt ein zu Rückschau, Bestandaufnahme und Ausblick: Daniel Diekmann, Geschäftsführer des „Jubilars“ ID
Das Berliner Unternehmen ID (Information und Dokumentation im Gesundheitswesen) ist ein namhafter Anbieter von Qualitätswerkzeugen der medizinischen Dokumentation und Gesundheitsökonomie. Standardsoftware für die Kodierung von Diagnosen und Prozeduren, Grouper für die Entgeltermittlung und Systeme zur Leistungsanalyse sind ebenso Teil des Portfolios wie Tools zum Management medizinischer Terminologie. Geschäftsführer Daniel Diekmann liefert einen Rück- und Ausblick.
Krankenhaus-IT Journal:
Wie waren die Krankenhäuser mit IT ausgestattet, als ID 1985 startete?
Daniel Diekmann: Die Ausstattung war damals abrechnungszentriert, im Bereich der medizinischen Dokumentation war das Niveau sehr gering. Viele Krankenhäuser wurden erst durch gesetzliche Anforderungen zur Anschaffung medizinischer IT-Lösungen motiviert, die damals auf den Markt kamen. Der Einstieg geschah typischerweise über die Windows-Welt und ging weiter über die benutzerorientierten Oberflächen.
Wie sahen damals die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Dokumentation aus, wie haben sie sich inzwischen verändert?
Diekmann: Die Vorgaben haben sich von der Bundes-Pflegesatzverordnung – mit Abrechnung nach tagesgleichen Pflegesätzen – über die Entwicklung der ICPM [International Classification of Procedures in Medicine], der Fallpauschalen und Sonderentgelte in den neunziger Jahren hin zu einem immer mehr pauschalierten Entgeltsystem gewandelt. Diese Entwicklung mündete in den heutigen DRGs. In den Achtzigern wurden Tage aufsummiert, heutzutage ist jede Krankenhausrechnung eine „kleine Steuererklärung“.
In welchem Verhältnis standen Nutzen und Aufwand?
Diekmann: Einiges hätte man sich sicher sparen können. So hat die Einführung der unterschiedlichen Klassifikationen in mancherlei Hinsicht vor allem Kosten und Aufwand in den Kliniken verursacht; insgesamt sehe ich das DRG-System jedoch als positiv, weil es eine erhebliche Transparenz in den Markt gebracht hat. Was die Politik im Bereich der Health IT, etwa im Zusammenhang mit der Gesundheitskarte, in den letzten Jahren geleistet hat, ist kritisch zu betrachten.
Ihre Produkte haben Sie den sich wandelnden Vorgaben angepasst, Ihr Portfolio erweitert. Wie viele Kunden setzen heute Ihre Lösungen ein?
Diekmann: Wir betreuen derzeit 1.200 Kliniken auf den Gebieten Kodierung, Abrechnung, Medizincontrolling sowie Fallsteuerung bei den Reha- und berufsgenossenschaftlichen Kliniken. Unser Kundenkreis ist sehr breit und erweitert sich ständig. Unser Marktanteil bei diesen Kernbereichen beträgt rund 60 Prozent; noch längst nicht alle Kliniken haben eine Lösung eingeführt. Einen neuen Markt sehen wir in der Psychiatrie, auch dort sind wir erfolgreich tätig.
Wo liegen im Markt die softwaretechnischen Verbesserungspotenziale?
Diekmann: Seitens der Hersteller müssen wir uns im Bereich der Kommunikation untereinander aufeinander zubewegen – das wird ein ganz essentieller Erfolgsfaktor werden. Wenn wir Innovationen wie etwa Arzneimitteltherapiesicherheit in den Markt bringen wollen, müssen die Systeme sich untereinander verstehen. Wir brauchen ferner semantische Inhalte in den KIS-Anwendungen – das heißt, das Thema Terminologieserver wird in den nächsten Jahren eine Rolle spielen. Und letztlich müssen wir es schaffen, die Aspekte medizinische Dokumentation, Qualitätssicherung und Medizincontrolling zu verbinden. So lassen sich dann auch deutliche verbesserte Aussagen über das Outcome von Patienten machen.
Wo steht das Unternehmen ID heute, wie sind Ihre Ziele?
Diekmann: in den letzten Jahren sind wir gewachsen – mit zweistelligen Prozentzahlen; dieses Wachstum wollen wir fortsetzen. Dazu werden wir den Markt unserer Produkte verstärkt auf Europa ausdehnen. Wenn ID in fünf, sechs Jahren doppelt so viel Umsatz machen würde wie heute, wären wir sicher nicht unglücklich.
Sie feiern Ihr Jubiläum am 23. und 24. September mit einem Symposium. Was bieten Sie den Besuchern?
Diekmann: Wir werden zum einen in einer Rückschau die Themen beleuchten, die ID bearbeitet hat – was sicher auch teilweise kontrovers vonstatten gehen wird. Wir werden eine Bestandaufnahme machen – „wo stehen wir heute mit unseren Lösungen und Produkten?“. Und wir werden spannende Ausblicke liefern auf das, was die Branche künftig von ID erwarten kann. Zu diesem attraktiven Programm mit hochkarätigen Referenten laden wir Kunden, Freunde und Geschäftspartner herzlich nach Berlin ein.
hw/mr
Produktportfolio und Perspektiven
Markus Neumann ist seit 1995 bei ID tätig; er verantwortet in der Geschäftsführung Produktmanagement und Vertrieb: „Wir haben uns vom Ein-Produkt-Anbieter zu einem Unternehmen mit breitem Portfolio entwickelt. Kooperationen spielen für uns eine Schlüsselrolle – wir liefern, wie bei der Kodierung, Content in die bestehenden KIS- und MIS-Landschaften. Ständiges Reinvestment“, so der Manager weiter, „ist die Voraussetzung für die kontinuierliche Migration und Weiterentwicklung unserer Produkte. Im Jahr 2010 starteten wir mit Multilingualität und Internationalisierung; neben D-A-CH sind wir heute u. a. in Frankreich, Luxemburg und Israel erfolgreich. Wir zielen beispielsweise auf eine europaweite Präsenz unserer AMTS-Lösung, in Kooperation mit einem Anbieter eines führenden Systems. Programmiert wird bei ID heute auf Grundlage von .NET. – Perspektivisch“, resümiert Neumann, „wird die Healthcare IT, den Anforderungen entsprechend, immer vielseitiger, und es entstehen neuartige – vom mündigen Patienten getriebene – Nachfragestrukturen. Suchmaschinen, Content-Aufbereitung und die Verbindung von Wissen sind hierbei Schlüsselaspekte.“ |