Unsichtbare „Smart-Textiles“ bieten breite Anwendungsoptionen
Interaktive Textilien mit wortwörtlichem „Sendungsbewusstsein“ halten nach Informationen des Forschungskuratoriums Textil (FKT) jetzt in Altenpflege und Reha Einzug. SensFloor, ein „empfindsamer“ Bodenbelag als neuestes Smart-Textile-Produkt, kann mehr als jeder Bewegungsmelder.
SensFloor-Prinzip
„Die mit BMBF-Fördermitteln und Partnern wie BASF SE entwickelte Technologie zum unsichtbaren Einsatz unter handelsüblichen Bodenbelägen entwickelt sich zur Plattform für neue Dienstleistungen in den Bereichen Gebäudeautomation, Komfort und persönliche Sicherheit“, sagt Christl Lauterbach, Gründerin der SensFloor-Herstellerfirma Future-Shape GmbH aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Die ursprünglich von der Infineon-Forschung angestoßene Neuerung ist inzwischen mehrfach patentiert und wird in dem vor fast sechs Jahren gegründeten Technologieunternehmen in der Nähe von München serienmäßig für verschiedene Einsatzzwecke gefertigt. Ausgeliefert werden einzelne Matten oder Bahnware (50 x 1 Meter).
Die sensiblen Unterteppiche verfügen pro Quadratmeter über vier flache Elektronikmodule mit jeweils acht dreieckigen Sensorflächen. Verlegbar unter jedweder Art von Bodenbelag, ist die Innovation völlig unsichtbar. Die Sensorik wird aktiviert, wenn Personen über den Boden laufen; orts- und zeitaufgelöste Signale werden dann zu einem oder mehreren Empfängern gesendet und die Signalmuster dort als verschiedene Ereignisse identifiziert: Sturz aus dem Bett, Umherirren im Zimmer, Einbruch (wenn die Schrittfolge am Fenster beginnt). SensFloor kann in diesen Fällen einen Notruf absetzen, Pflegepersonal informieren oder auch einfach das Licht anschalten. Gemeinsam mit einem benachbarten Seniorenzentrum wird nach Firmeninformationen derzeit ein Feldversuch durchgeführt. In einer Seniorenresidenz in Bremen soll außerdem im betreuten Wohnen getestet werden, ob und um wie viel länger alte Menschen mit SensFloor sicher zu Hause leben können, anstatt in ein Pflegeheim zu ziehen.

Druckempfindlicher Unterteppich zum Verlegen z. B. unter Teppichfliesen
FKT-Geschäftsführer Dr. Klaus Jansen, der mit seiner Einrichtung den Transfer neuer Technologien aus den 16 bundesweit Textilforschungsinstituten koordiniert, hält Datenanalysen wie Personenzählung und die Steuerung von Türen z. B. an Sicherheitsschleusen mit dieser Technologie ebenfalls für möglich. „Vielleicht schaltet der Bodenbelag eines Tages auch Waschmaschine und Licht aus, wenn die Familie in Urlaub fährt.“ Seinen Worten zufolge laufen bei ihm auch zu den sogenannten „Smart Textiles“ alle Fäden zusammen: Informationen zu optischen (leuchtenden), elektrisch leitenden und Energie erzeugenden Fasern und Geweben. Jansen sieht die durch die Bundesministerien für Forschung/Bildung bzw. Wirtschaft/Technologie unterstützte Anwendungsforschung in diesem Textilsegment weltweit führend. Entscheidende Impulse dafür kommen aus den Instituten in Denkendorf, Greiz und Chemnitz sowie aus der Industrie – vor allem dem Automotive-Bereich, so der FKT-Chef.
Fotos (Quelle: Future-Shape): |